Rohrmaterialien
Welches Material in welcher Bauzeit verbaut wurde, welche Schäden dazu gehören und ab wann das Alter überhaupt ein Argument ist.
Fünf Werkstoffe, fünf Schadensbilder.
Bei Trinkwasser entscheidet neben dem baulichen Zustand die Hygiene mit. Deshalb ist hier ein Material relevant, das anderswo längst kein Thema mehr wäre.
Blei
- Bauzeit
- bis etwa 1973 verbaut
- Nutzungsdauer
- nicht mehr zulässig
- Typische Schäden
- Bleiabgabe ins Trinkwasser, besonders bei Stagnation. Innen oft unauffällig: das Problem ist chemisch, nicht mechanisch.
Nach § 17 TrinkwV waren Bleileitungen bis zum 12. Januar 2026 zu entfernen oder auszutauschen. Bestehen sie noch, ist das kein Sanierungsthema mehr, sondern eine offene Pflicht.
Verzinkter Stahl
- Bauzeit
- etwa 1950er bis 1980er
- Nutzungsdauer
- Orientierung 30 bis 50 Jahre
- Typische Schäden
- Korrosion und Verockerung von innen, Querschnittsverlust, braunes Wasser nach Stagnation, im Verlauf Lochkorrosion.
Der häufigste Anlass für eine Trinkwasser-Strangsanierung im Nachkriegsbestand. Der Druckverlust in den oberen Geschossen ist meist das erste, was auffällt.
Kupfer
- Bauzeit
- ab etwa 1970
- Nutzungsdauer
- Orientierung 40 bis 60 Jahre
- Typische Schäden
- Lochfraß bei ungünstiger Wasserbeschaffenheit oder fehlerhafter Verarbeitung; Erosionskorrosion bei zu hoher Fließgeschwindigkeit.
Meist langlebig. Wo Schäden auftreten, sind sie punktuell und hängen an Wasserqualität und Montagequalität, nicht am Alter allein.
Edelstahl
- Bauzeit
- ab etwa 1980
- Nutzungsdauer
- Orientierung 50 Jahre und mehr
- Typische Schäden
- Selten. Risiko fast nur bei Chloridbelastung oder bei Kontakt mit ungeeigneten Werkstoffen.
Hygienisch und mechanisch unproblematisch, dafür in der Erstinvestition teurer.
Kunststoff und Verbundrohr
- Bauzeit
- ab etwa 1990 im Wohnbau verbreitet
- Nutzungsdauer
- Orientierung 40 bis 50 Jahre
- Typische Schäden
- Materialermüdung an Pressverbindungen, seltener Sauerstoffdiffusion bei alten Systemen ohne Sperrschicht.
Heute der Regelfall bei Erneuerungen. Systemgebunden: Rohr, Fitting und Presswerkzeug müssen zusammengehören.
Robuster, aber nicht sorgenfrei.
Entwässerungsleitungen halten länger, altern aber unauffälliger. Ein Befund entsteht hier fast immer erst durch die Kamerabefahrung.
Gusseisen, SML
- Bauzeit
- bis heute, im Bestand sehr verbreitet
- Nutzungsdauer
- Orientierung 50 bis 80 Jahre
- Typische Schäden
- Korrosion an der Innenwand, Muffenschäden, Rissbildung, Ablagerungen an rauen Stellen.
Guss ist schallschutztechnisch stark und mechanisch robust. Wo die Substanz noch trägt, ist er der klassische Kandidat für eine Innensanierung.
Steinzeug
- Bauzeit
- vor allem Grundleitungen im Altbau
- Nutzungsdauer
- sehr lang, aber bruchempfindlich
- Typische Schäden
- Scherbenbildung, Muffenversatz, Wurzeleinwuchs im erdverlegten Bereich.
Häufig unter der Kellersohle. Ein Befund hier verschiebt das Projekt schnell von der Strang- in die Grundleitungssanierung.
PVC, PE und PP
- Bauzeit
- ab etwa 1970
- Nutzungsdauer
- Orientierung 40 bis 60 Jahre
- Typische Schäden
- Verformung durch Wärme, spröde Altbestände bei frühem PVC, Undichtigkeiten an Steckverbindungen.
Leicht und günstig, akustisch aber deutlich schlechter als Guss: ein Punkt, der bei einer Erneuerung im bewohnten Bestand regelmäßig unterschätzt wird.
Fragen zum Material.
Anzeichen einordnenAm zuverlässigsten an einer freigelegten Stelle im Keller oder im Schacht, ergänzt um Baujahr und Bestandsunterlagen. Blei ist weich, mattgrau und lässt sich mit dem Fingernagel ritzen; verzinkter Stahl ist magnetisch; Kupfer ist an der Bruchstelle eindeutig. Eine sichere Aussage über den gesamten Strang liefert erst die Begehung: Materialwechsel innerhalb eines Hauses sind der Normalfall, nicht die Ausnahme.
Nein. Nutzungsdauern sind statistische Orientierungswerte, keine Verfallsdaten. Entscheidend sind Befund, Schadenshäufigkeit und Wasserbeschaffenheit. Es gibt Sechzigjährige in gutem Zustand und Dreißigjährige, die durch sind. Genau deshalb steht die Bewertung vor der Maßnahme.
Blei erreicht den Grenzwert der Trinkwasserverordnung nicht dauerhaft; § 17 TrinkwV verlangte die Entfernung oder den Austausch bis zum 12. Januar 2026. Wo noch Blei liegt, ist das keine Frage der Wirtschaftlichkeit mehr. Bei Verdacht gehören eine Beprobung durch ein akkreditiertes Labor und die Information der Nutzer dazu.
Nur mit Bedacht. Die Fließregel und die Werkstoffverträglichkeit sind einzuhalten, sonst entstehen Korrosionselemente an den Übergängen. Bei einer Teilsanierung ist das einer der Punkte, die in der Planung tatsächlich geprüft werden müssen und nicht auf der Baustelle entschieden werden sollten.
Weil die Rohrwand leichter ist und Körperschall schlechter dämpft als Guss. In bewohnten Objekten mit innenliegenden Schächten neben Schlafräumen ist das ein ernstzunehmendes Kriterium und einer der Gründe, warum eine Innensanierung des vorhandenen Gussstrangs manchmal die bessere Lösung ist als ein Austausch gegen Kunststoff.
Was liegt bei Ihnen hinter der Wand?
Baujahr, bekannte Materialien und die Schadenshistorie reichen für eine erste Einschätzung, ob und welche Untersuchung sich lohnt.
