Verfahren
Konventioneller Austausch, Schlauchliner, Kurzliner und Sprühverfahren: wie sie funktionieren, was sie voraussetzen und woran sie scheitern. Ohne Empfehlung aus der Ferne.
Der Unterschied liegt im Eingriff, nicht im Ergebnis.
Alle vier Wege führen zu einer dichten Leitung. Sie unterscheiden sich darin, wie viel Substanz dafür geöffnet wird, wie lange Bewohner damit leben müssen und was das Altrohr mitbringen muss.
| Verfahren | Leitungsarten | Eingriff | Nutzungseinschränkung | Scheitert an |
|---|---|---|---|---|
| Konventioneller Austausch | Trinkwasser, Abwasser, Regenwasser | Hoch: Wände, Schächte und Oberflächen werden geöffnet | Hoch: je Einheit meist mehrere Tage bis rund zwei Wochen, Bad zeitweise nicht nutzbar | An Bauzeitfenstern, fehlender Ersatzversorgung und an Wiederherstellungskosten, die niemand eingeplant hat |
| Schlauchliner | Abwasser, Regenwasser | Gering: Zugang über vorhandene Öffnungen, Wände bleiben zu | Kurz: Unterbrechung je Strang meist im Bereich von Stunden, oft im bewohnten Zustand möglich | An Rohrbruch, Versatz, fehlenden Rohrstücken, starker Deformation und an zu vielen engen Bögen |
| Kurzliner | Abwasser, Regenwasser | Minimal: punktuell, ohne Wandöffnung | Sehr kurz: meist wenige Stunden | An flächigem Verschleiß: Wo viele Stellen defekt sind, ist die Einzelreparatur der teurere Weg |
| Sprühverfahren | Abwasser, Regenwasser | Gering: Zugang über vorhandene Öffnungen | Kurz: Unterbrechung meist im Bereich von Stunden bis zu einem Tag | An Fehlstellen und Löchern, an Restfeuchte und an nicht nachweisbarer Schichtdicke |
Zeitangaben sind Größenordnungen aus der Praxis, keine Zusage. Was für Ihr Objekt gilt, ergibt sich aus Umfang, Zugänglichkeit und Wiederherstellung.
Jedes im Detail.
Gleicher Aufbau auf jeder Seite: Ablauf, Eckdaten, Stärken und Grenzen nebeneinander, Voraussetzungen und Regelwerke. So lässt sich tatsächlich vergleichen.
Erst die Grundlage, dann das Verfahren.
Der häufigste Fehler ist, mit der Verfahrensfrage anzufangen. Wer zuerst festlegt, wie saniert wird, muss anschließend begründen, warum und hat den Vergleich schon verloren.
Mit der Zustandsbewertung beginnen- 01Zustand klärenWas ist belegt, was ist angenommen? Ohne Kamerabefahrung, Unterlagen und Begehung ist jede Verfahrensdiskussion Spekulation.
- 02Rahmen festhaltenBewohnt oder leer, Bauzeitfenster, Zugänglichkeit, Budgetrahmen, Denkmalschutz. Das streicht die Hälfte der Optionen, bevor überhaupt jemand rechnet.
- 03Verfahren eingrenzenNur was für diese Leitungsart, diesen Zustand und diese Geometrie zulässig ist, bleibt übrig. Die Einsatzgrenzen stehen beim jeweiligen System, nicht bei der Methode allgemein.
- 04Umfang beschreibenDer gewählte Weg wird in ein Leistungsverzeichnis übersetzt, mit Vorleistungen, Wiederherstellung und Dokumentationspflichten.
- 05Angebote vergleichenErst wenn alle Anbieter dieselbe Grundlage bekommen, sagt der Preisunterschied etwas aus.
Fragen zur Verfahrenswahl.
Alle Fragen lesenKeines. Die Frage lässt sich nur pro Leitung beantworten. Bei Trinkwasser bleibt praktisch nur der konventionelle Austausch, weil für die Innenbeschichtung seit 2011 kein Regelwerk mehr existiert. Bei Abwasser und Regenwasser hängt es davon ab, ob das Altrohr tragfähig ist: Ist es das, kommen Schlauchliner, Kurzliner oder Beschichtung infrage; ist es das nicht, führt kein Weg am Austausch vorbei.
Bei Abwasser und Regenwasser häufig ja: Innensanierungsverfahren arbeiten im Rohr, die Unterbrechung je Strang liegt meist im Bereich von Stunden. Beim konventionellen Austausch ist es aufwendiger: dort wird je Einheit ein Bauzeitfenster nötig, das von wenigen Tagen bis zu rund zwei Wochen reichen kann, je nachdem wie viel Wiederherstellung dazugehört.
Der DVGW hat die Arbeitsblätter zur Innenbeschichtung von Trinkwasserleitungen 2011 zurückgezogen, weil die hygienische Datenlage nicht ausreichte. Ein Ersatzregelwerk gibt es bis heute nicht. Ohne anerkannte Regel fehlt die Grundlage für Abnahme, Gewährleistung und Verkehrssicherungspflicht: deshalb ist der Austausch bei Trinkwasser der Regelweg.
Der Inliner ist ein eigenständiges Rohr im Rohr: Er übernimmt die Funktion der alten Leitung. Die Beschichtung ist ein Film auf der vorhandenen Rohrwand: Sie dichtet ab, trägt aber nicht. Deshalb setzt sie ein Altrohr voraus, das noch geschlossen und tragfähig ist.
Immer. Reinigung und Kamerabefahrung sind keine Nebenpositionen, sondern die Voraussetzung dafür, dass ein Liner oder eine Beschichtung überhaupt haftet. Fehlt die Reinigung im Angebot, fehlt entweder Geld oder Qualität.
Nicht das Verfahren beginnt die Prüfung.
Zuerst werden Fragestellung, Bestand und fehlende Grundlagen geklärt. Erst danach entsteht eine belastbare Verfahrensentscheidung.
