Verfahren · Abwasser · Regenwasser

Ein harzgetränkter Schlauch wird in die vorhandene Leitung eingezogen und härtet dort zu einem eigenständigen neuen Rohr aus, ohne dass die Wand geöffnet wird.

Vom ersten Zugang bis zur Abnahme.

Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Wer einen Schritt überspringt: meist die Bestandsaufnahme: merkt das erst, wenn die Baustelle schon läuft.

auch: Schlauchlinerauch: Langlinerauch: Rohrinnensanierungauch: grabenlose Sanierungauch: CIPP
  1. 01Reinigen und befahrenDie Leitung wird gespült und gefräst, danach mit der Kamera befahren. Erst dieses Video sagt, ob ein Liner überhaupt sinnvoll ist. Vorher ist jede Aussage dazu geraten.
  2. 02Aufmaß und LinerauswahlLänge, Durchmesser, Bögen und Lage der Abzweige bestimmen Materialstärke und Aushärtungsart. Passt der Liner nicht zur Geometrie, wird er später zur Fehlerquelle.
  3. 03Einziehen oder invertierenDer getränkte Schlauch wird eingezogen oder mit Druck eingestülpt und an die Rohrwand gepresst.
  4. 04AushärtenJe nach System mit Warmwasser, Dampf oder UV-Licht. Die Aushärtung wird protokolliert. Das Protokoll gehört in die Bestandsakte, nicht in den Papierkorb der Baustelle.
  5. 05Abzweige öffnen und abnehmenDie überdeckten Anschlüsse werden robotergestützt aufgefräst, bei Bedarf mit Hutprofil angebunden. Zum Schluss dokumentiert eine erneute Kamerabefahrung das Ergebnis.

Was das praktisch bedeutet.

Eingriff in die Substanz
Gering: Zugang über vorhandene Öffnungen, Wände bleiben zu
Nutzungseinschränkung
Kurz: Unterbrechung je Strang meist im Bereich von Stunden, oft im bewohnten Zustand möglich
Erneuerungsumfang
Durchgehend über den linierten Abschnitt; Anschlüsse werden nachträglich geöffnet
Woran es scheitert
An Rohrbruch, Versatz, fehlenden Rohrstücken, starker Deformation und an zu vielen engen Bögen

Wofür es spricht

  • Die Wände bleiben geschlossen: kein Stemmen, kein Fliesenschaden, keine Wiederherstellung.
  • In bewohnten Häusern meist ohne Auszug und ohne Bauzeitfenster über Wochen umsetzbar.
  • Der Liner ist statisch eigenständig. Er ersetzt die Funktion des Altrohrs, er beschichtet es nicht nur.
  • Der gesamte sanierte Abschnitt wird durchgehend dicht, nicht nur die bekannten Schadstellen.
  • Die Belastung für Mieter ist deutlich geringer, was in WEGs die Zustimmung spürbar erleichtert.

Wo es aufhört

  • Das Altrohr muss den Liner tragen können. Wo Rohrstücke fehlen, Muffen versetzt sind oder das Rohr stark deformiert ist, geht es nicht.
  • Der Querschnitt wird kleiner. Bei ohnehin knapp bemessenen Leitungen ist das vorher zu prüfen, nicht hinterher.
  • Jeder Abzweig ist eine Schnittstelle. Viele Anschlüsse auf kurzer Strecke erhöhen Aufwand und Fehlerrisiko.
  • Für Trinkwasser kommt das Verfahren nicht infrage, dort fehlt die hygienische Zulassungsgrundlage.
  • Die Qualität hängt an der Ausführung: Tränkung, Aushärtung und Fräsarbeit müssen dokumentiert sein, sonst ist das Ergebnis nicht überprüfbar.

Diese Punkte müssen am Objekt geklärt sein.

Kein Verfahren ist grundsätzlich besser als ein anderes. Entscheidend ist, was das konkrete Rohr hergibt und das steht nicht im Prospekt des Systemherstellers.

Zustand zuerst klären lassen
  • Liegt eine aktuelle Kamerabefahrung des betroffenen Strangs vor?
  • Ist die Substanz tragfähig, oder gibt es Bruch, Versatz und Fehlstellen?
  • Wie viele Abzweige liegen auf der Strecke und wie sind sie erreichbar?
  • Verträgt der Querschnitt die Reduzierung?
  • Welches System soll eingesetzt werden und welche Einsatzgrenzen nennt der Hersteller dafür?

Regelwerke, die den Rahmen setzen

  • DIN EN ISO 11296-4: Schlauchlining für Abwasserleitungen
  • DIN 1986-30: Instandhaltung von Entwässerungsanlagen
  • DWA-M 143: Sanierung von Entwässerungssystemen außerhalb von Gebäuden, sinngemäß für die Bewertung

Fragen zu diesem Verfahren.

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In der Regel ja. Die Arbeiten finden im Rohr statt, die Unterbrechung je Strang liegt meist im Bereich von Stunden. Was organisiert werden muss, ist der Zugang zu den Anschlusspunkten und ein klar kommuniziertes Zeitfenster, in dem im betroffenen Strang kein Wasser laufen darf.

Hersteller geben für ihre Systeme lange Nutzungsdauern an. Belastbar ist eine solche Angabe nur zusammen mit dem konkreten System, dem Einsatzbereich und einer dokumentierten Ausführung. Deshalb wird hier keine pauschale Zahl genannt: sie gehört ins Angebot des ausführenden Betriebs und in dessen Gewährleistung.

Ein aushärteter Liner lässt sich nicht einfach herausziehen. Wird die Leitung später doch konventionell erneuert, ist das kein Hindernis, die Wand wird ohnehin geöffnet. Relevant wird es, wenn nach dem Liner noch einmal innen saniert werden soll: Dann ist der Querschnitt der begrenzende Faktor.

Welches Verfahren passt zu Ihrem Strang?

Schildern Sie Objektart, Leitungsart und was bereits bekannt ist. Sie erhalten eine Einschätzung, welche Grundlage für eine belastbare Verfahrenswahl noch fehlt.

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