Verfahren · Trinkwasser · Abwasser · Regenwasser

Die alte Leitung wird freigelegt und durch eine neue ersetzt. Das aufwendigste Verfahren, und bei Trinkwasser praktisch das einzige.

Vom ersten Zugang bis zur Abnahme.

Die Reihenfolge ist nicht beliebig. Wer einen Schritt überspringt: meist die Bestandsaufnahme: merkt das erst, wenn die Baustelle schon läuft.

auch: offene Rohrerneuerungauch: Rohraustauschauch: klassische Strangsanierung
  1. 01Trasse festlegenBleibt die Leitung im alten Schacht oder wird sie in eine Vorwandinstallation verlegt? Diese Entscheidung fällt vor allem anderen, denn sie bestimmt, wie viel Wand überhaupt geöffnet werden muss.
  2. 02Ersatzversorgung einrichtenIn bewohnten Objekten braucht es eine Übergangsversorgung oder ein Bauzeitfenster je Strang. Wie lange eine Einheit ohne Wasser oder ohne Bad auskommt, ist die Frage, die Mieter und Eigentümer als Erstes stellen.
  3. 03Freilegen und demontierenSchacht oder Wand werden geöffnet, die Altleitung wird ausgebaut. Hier entstehen Staub, Lärm und der größte Teil der Nebenkosten.
  4. 04Neu montieren und dichtprüfenDie neue Leitung wird gesetzt, gedämmt und geprüft. Bei Trinkwasser gehören Spülung und Inbetriebnahme nach Regelwerk dazu, nicht nur die Dichtheitsprüfung.
  5. 05WiederherstellenSchacht schließen, Fliesen, Putz, Malerarbeiten. Dieser Schritt wird in Angeboten am häufigsten unterschätzt oder gar nicht erst ausgewiesen.

Was das praktisch bedeutet.

Eingriff in die Substanz
Hoch: Wände, Schächte und Oberflächen werden geöffnet
Nutzungseinschränkung
Hoch: je Einheit meist mehrere Tage bis rund zwei Wochen, Bad zeitweise nicht nutzbar
Erneuerungsumfang
Vollständig: neues Rohr, neue Nutzungsdauer, freie Material- und Querschnittswahl
Woran es scheitert
An Bauzeitfenstern, fehlender Ersatzversorgung und an Wiederherstellungskosten, die niemand eingeplant hat

Wofür es spricht

  • Unabhängig vom Zustand des Altrohrs, es wird ja ersetzt.
  • Querschnitte, Trassen und Materialien können geändert werden. Nur so lassen sich unterdimensionierte oder falsch geführte Leitungen wirklich korrigieren.
  • Der Zustand ist während der Arbeiten vollständig einsehbar und dokumentierbar.
  • Für Trinkwasser der Regelweg: Innensanierungsverfahren sind hier nicht geregelt.
  • Zählerplätze, Absperrungen und Dämmung lassen sich in einem Zug auf den aktuellen Stand bringen.

Wo es aufhört

  • Die Rohrkosten sind selten das Teure. Stemmen, Entsorgen, Staubschutz, Provisorien und Wiederherstellung machen regelmäßig den größeren Teil aus.
  • In bewohnten Objekten ist die Organisation aufwendiger als die Technik: Zugang zu jeder Einheit, Terminketten, Ausweichmöglichkeiten.
  • Bestandsfliesen und historische Oberflächen lassen sich oft nicht in gleicher Optik wiederherstellen.
  • Asbesthaltige Bauteile oder alte Dämmstoffe im Schacht können den Ablauf und die Kosten grundlegend ändern.

Diese Punkte müssen am Objekt geklärt sein.

Kein Verfahren ist grundsätzlich besser als ein anderes. Entscheidend ist, was das konkrete Rohr hergibt und das steht nicht im Prospekt des Systemherstellers.

Zustand zuerst klären lassen
  • Welche Stränge und welche Abschnitte gehören zum Auftrag, und welche ausdrücklich nicht?
  • Bleibt die Trasse oder wird neu geführt?
  • Wie sieht die Ersatzversorgung je Einheit aus und wie lang darf die Unterbrechung sein?
  • Wer stellt wieder her, in welcher Qualität, und steht das im Angebot?
  • Gibt es Hinweise auf Schadstoffe im Schacht?

Regelwerke, die den Rahmen setzen

  • DIN 1988 und DIN EN 806: Trinkwasserinstallation, Planung und Ausführung
  • VDI 6023: Hygiene in Trinkwasser-Installationen
  • DIN 1986-100: Entwässerungsanlagen für Gebäude und Grundstücke
  • TrinkwV in der jeweils geltenden Fassung

Fragen zu diesem Verfahren.

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Das hängt am Zuschnitt: Wird nur der Schacht geöffnet, sind es je Einheit oft wenige Tage. Wird das Bad mitsaniert, können daraus zwei Wochen und mehr werden. Belastbar wird die Angabe erst, wenn Trasse, Umfang der Wiederherstellung und die Reihenfolge der Stränge feststehen: deshalb gehört sie in die Planung und nicht in eine Preisliste.

Ja, und häufig ist das der wirtschaftlichste Weg. Voraussetzung ist eine Zustandsbewertung, die zeigt, welche Stränge tatsächlich betroffen sind. Ohne diese Grundlage wird im Zweifel alles ausgeschrieben: das ist teurer, aber für den Anbietenden risikoärmer.

Weil es für die Innenbeschichtung von Trinkwasserleitungen in Deutschland kein anwendbares Regelwerk mehr gibt: Der DVGW hat die entsprechenden Arbeitsblätter 2011 mangels ausreichender hygienischer Datenlage zurückgezogen, ein Ersatz wurde nicht veröffentlicht. Damit fehlt einem Innensanierungsverfahren am Trinkwasser die anerkannte Grundlage.

Welches Verfahren passt zu Ihrem Strang?

Schildern Sie Objektart, Leitungsart und was bereits bekannt ist. Sie erhalten eine Einschätzung, welche Grundlage für eine belastbare Verfahrenswahl noch fehlt.

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